GEORG STEKER           kulturmanagement

INTERNATIONALES ARBEITEN

Kapitel 1: KOPRODUKTION

Die Förderbedingungen für Kulturinitiativen sind in den Ländern Europas, Asiens und des Anglo-Amerikanischen Raumes durchaus unterschiedlicher Art und Weise. Daraus resultieren letztlich Arbeitsbedingungen, die eine Zusammenarbeit verschiedener Institutionen und Kulturträgern maßgeblich steuern und beeinflussen.

Vereinfach könnte man sagen, die Knappheit der Mittel zwingt die Kulturschaffenden vermehrt zur Zusammenarbeit. Wenn nicht auch künstlerisch so doch vermehrt kaufmännisch in der Erstellung von Projekten und Produktionen. Allerdings ist kaum eine diese kaufmännischen Zusammenarbeiten tatsächlich nur auf Geldmittel beschränkt. Oft ergeben sich indirekt und ungeplant auch künstlerische Effekte aus dieser ökonomischen Notwendigkeit.

In der Darstellenden Kunst ist das Wort „Koproduktion“ hierfür stellvertretend.

Engagierte Projekte, die mit Vorlaufzeiten von mehreren Jahren, ein hohes Maß an Personalkosten und auch Materialkosten mit sich bringen, gehen in die Hunderttausende oder Millionen Euro. Zugegeben sind diese Kosten für den Zuseher der Ergebnis-Veranstaltung nicht immer sofort zu sehen. Tatsächlich ist das Erstellen einer künstlerischen Arbeit im Darstellen Kunst Betrieb (und vor allem diesen kenne ich ganz gut von Innen) ein breites, zeitint-, personal- und ressourcenintensives Unterfangen. Recherchearbeiten, Arbeitsaufträge an AutorInnen, KomponistInnen, Choreographen, Aufträge an Ausstattungsfirmen, KostümschneiderInnen, Engagements von DarstellerInnen, Orchestern, Administrativem Personal,  Instandhaltungskosten, Energieverbrauch, und vieles andere mehr, schaffen meist stattliche Summen unterm Strich, auch wenn keine Artisten durch die Luft fliegen, eigens Theaterhäuser für Rollerskate-Musikals gebaut werden, oder gewaltige Bühnen auf österreichischen Seen gebaut werden.

Um diesem hohen Kostenaufwand gerecht zu werden, wird im Darstellenden Kunst Bereich in den letzten Jahren und Jahrzehnten vermehrt koproduziert, also die Herstellungskosten einer künstlerischen Arbeit auf mehrere Träger aufgeteilt. Diese erkaufen sich damit gleichzeitig meist auch die Möglichkeit, die fertig gestellte Produktion in ihrem Festival oder an ihrem Theaterhaus, etc. zu zeigen.

Diese Notwendigkeit hat mehrere positive Nebeneffekte, neben der gesteigerten Realisierbarkeit für die einzelne Kulturinstitutionen.

Mehrere Partnerinstitutionen bedeutet für das geschaffene Kunstwerk somit, mehrere Präsentationsflächen. Im Bühnenbetrieb bedeutet das, dass zB eine Opernproduktion nicht bloß in einer Aufführungsserie an einem Opernhaus/Festival gezeigt wird, sondern an mehrere Opernhäusern/Festivals. Eine neu erstelle Produktion hat somit die Möglichkeit öfter gespielt zu werden, mehr Publikum zu erreichen. Ich bezeichne das als erhöhte Effizienz des Mitteleinsatzes, wenn man mit kaufmännischem Auge darauf blickt.

Künstlerisch betrachtet, kann eine eben erst fertig gestellte Arbeit wachsen und sich weiter entwickeln, je öfter das Ensemble die Möglichkeit hat, die Produktion zu spielen. Eine dem Zuseher vielleicht nicht so bekannte, weil nicht offensichtliche Realität im Produzieren neuer Theater-Werke ist, dass sich diese mitunter nach ihrer Premiere erst so richtig zur vollen Blüte entfalten. Wichtige Nuancen und Details treten zutage, die im oft raffen Probenprozess noch nicht final ausgearbeitet werden konnten.

Die Produktion wächst somit auch künstlerisch.

Letztlich profitieren auch die Darsteller, so sie durch ihre Art des Engagements in ihrer Entlohnung von der Anzahl der Vorstellungen abhängig sind, von mehr Vorstellungen, an mehr Spielorten.

Werfen Sie einen Blick in die Programmbücher großer Festivals, wie das Festival in Avignon/FR, die Salzburger Festspiele/Ö oder das Edinburgh Festival/SCO. Kaum eine gezeigte Produktion ist im Alleingang eines Produzenten entstanden. Die beteiligten Koproduzierten sind ausführlich gelistet. Und es ist oft eine mitunter durchaus eindrucksvolle Zahl an Koproduzenten, die dort zu lesen sind.

Gut für die Künstler, gut für die Theater, gut für die Fördergeber, sowie für die Netzwerkparnter und privatwirtschaftlichen Partner der Kunst&Kultur.